Freitag, 2. November 2007

I am the city

Coming through a cloud you're looking at me from above
And I'm a revelation spreading out before your eyes
And you find me beautiful and irresistible
A giant creature that forever seems to grow in size


Aus aktuellem Anlass und auf Drängeln diverser Personen melde ich mich mal wieder. Gerade komme ich durch lustige Puschelschneeflöckchen nach Hause gestapft und dachte mir, ich kaufe mir zur Feier des Tages mal ein Eis. Das war richtig schön, ein beschneites Eis zu essen, fand ich. Seit Mittwoch schneit es alle paar Stunden mal ein wenig, und ein bisschen Schnee bleibt auch liegen. Ansonsten ist viel Matsch. Und ganz ordentlich kalt halt und dunkel, nämlich schon um 17 Uhr. Aber so stellt man sich Norwegen ja auch vor.

And you feel a strange attraction
The air is vibrant and electrified
Welcome to me here I am, my arms are open wide


Es gibt nicht so viel Neues; vielleicht dass ich unendlich faul bin, was meine Unisachen angeht, also WIRKLICH faul, aber so neu ist das irgendwie auch nicht. Internet ist leider spannender. Mir gefällt es nach wie vor, ich tue lustige Dinge mit lustigen Menschen und bekomme norwegische Intonation. Ich fühle mich wohl mit allem, was ich tue, und werde immer immer wieder hier her zurückkommen. Trotzdem freue ich mich auch auf zu Hause. Und auf Münster. Und auf günstiges Einkaufen...

Somewhere in the middle of the never ending noise
There is a constant steady rhythm of a heart that beats
And a million voices blend into a single voice
And you can hear it in the clamour of the crowded streets


Man läuft glaub ich nicht durch Trondheim und denkt "So was Schönes hab ich ja noch nie gesehen!". Es ist schön, gar keine Frage, aber ich finde es mehr schön im Sinne von wohlfühlschön. Ich gehöre hier hin, ich bin hier nicht fremd, ich kann hier so sein wie ich will. Konnte ich zu Hause auch immer, aber ich wusste eben nicht, ob es hier auch so sein würde. Ist es aber, direkt von Anfang an, ganz ohne "einleben", und es macht mich sehr glücklich. Besonders toll ist das Gefühl - und es ist einfach ein Gefühl, das man durch Erinnerungen hat, nicht eins, das durch Fotos wieder heraufbeschwört werden kann, auch wenn die alle ja toll sind - diese scheinbar unendlich weite Natur nicht nur gesehen, sondern erlebt zu haben. (Muss mal grad Wäsche holen) (wieder da; hab 60°-Wäsche bei 40 gewaschen, hehe, upsi!) Leider war ich nirgendwo sonst in Norwegen, habe keine anderen Städte oder Gegenden kennen gelernt, aber ich kann sagen dass diese Stadt hier mitsamt allem, was ich von drumrum kennenlernen durfte DAS Nonplusultra an cool ist. Mal alle Anstrengungen und Mühen vergessend (viiiel leichter gesagt als getan), ist auf einem Berg stehen --- das ist --- WAH --- ich kann nicht sagen wie das ist. Unsagbar, was für eine atemberaubende Schönheit ich gesehen habe! Auch Moor ist schön.

People come and take their chances
Sometimes you win sometimes you lose a lot
Come make your own contribution to this melting pot


Ebenfalls spannend ist, dass man, wenn man so viele neue Dinge sieht und erlebt, tatsächlich beginnt, andere Seiten an sich, anderen und dem Leben zu entdecken. Das klingt jetzt nach übelst pathetischer Philosophiererei, aber irgendwie stimmt es doch. Ich habe mir mittlerweile ein kleines Repertoire an Hass-Sätzen zugelegt, die ich von niemandem hören mag und die schlechte Laune machen. Ich finde immer wieder neue Bestätigungen für meine auch in Deutschland bereits recht ausgeprägte Abneigung gegen Literaturwissenschaft und INTERPRETIEREN. Literatur hat keine Bedeutung. Punkt. Genauso kotzen mich Schubladeneinteilungen an: gut – schlecht, lieb – böse, möglich – unmöglich, normal – unnormal (waaaaaaaah als ob es sowas gäbe!!!), wichtig – unwichtig, und vor allem richtig – falsch. Sorry ich bin grad ein bisschen anti. Ist nicht alles irgendwie... egal? Ich habe aufgehört, in einer bestimmten Sprache zu denken; es ist immer die, die in meiner Umgebung gesprochen wird – oder zumindest meist; da ich selten denke bevor ich rede, spreche ich auch ab und zu eine falsche. Meine eh schon tiefe Zuneigung zu glottal stops wächst und wächst und wird sogar von Niek geteilt, freu. Eine zum tjukk l ensteht gerade. Oh, Röllchen wächst auch wieder. Ist mir aber spontan mal schnuppsegal. Ich SEHNE mich zurück nach meinen langen Haaren; looooos wachsen!!!!! Über ein kleines Hallo von jemandem, den ich lang nicht gesehen habe, freu ich mich wie ein Schnitzel – es gibt Leute, die an mich denken und das, was ich schreibe, auch lesen; so toll! Chopin, Ravel, Bach, Kunstmuseum – here I come. Wunderlicherweise. Ich verliebe mich in Momente, in denen ich entdecke, dass jemand haargenau meinen Humor trifft, und bin mir dessen im Gegensatz zu früher auch bewusst. Je weniger Nachrichten man liest oder hört, desto positiver denkt man. Je weniger Kontoauszüge man zu Gesicht bekommt auch. Menschen können SO ANDERS denken als ich, das ist wirklich krass.

People feed me with their lives I am a hungry soul
And they all worship me and pay their homage day and night
Every day I hear a lot of tired shopping feet
But come the night they will be dancing in the neon light


Heute morgen habe ich mal ein wenig sinniert und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich wohl mit den allerwenigsten Menschen, die ich hier kennengelernt habe, für alle Ewigkeit Kontakt haben werde. Ich schätze, die meisten hier denken so, und alles andere wäre Illusion. Ein paar wenige, die mir besonders nah stehen, werden "bleiben", aber ach so oft wird man doch gleichgültig. So gesehen ist das hier eine tolle Zeit, vielleicht einer der aufregendsten und wichtigsten Abschnitte meines Lebens erstmal; ich kann alles genießen, in mich einsaugen, mitnehmen so viel wie denn geht, aber ich kann und will nichts erzwingen, was nicht von selbst passiert. Wenn es zuende ist, dann ist es eben zuende. Das ist schade, aber that's life. Ach komm, noch mal mit glottal stop: thaɁs life. Prima. Soll nicht heißen mir ist alles wurscht hier, nö nö! Menschen und Gegenden, Ideale und Geschehnisse, Situationen und eben Dinge, die mir hier ans Herz gewachsen sind – und davon gibt es eine Menge – die sind da auch für immer. Sagt das "wachsen" in "ans Herz gewachsen" ja. Da bleiben die und das ist etwas, worauf ich mich für die Zukunft freue – Erinnerungen. Hei so fein. Wir haben Flüge für den 19.12. zurück.

Dazzled by the crazy magic
They're grabbing pieces of the fatted calf
And in the wind if you listen hard you'll hear me laugh


Ich entschuldige mich hiermit für den nervigen langen Beitrag ohne Fotos, die kommen auch demnächst mal wieder. Ich wollte mich nur mal wieder melden und das ist nun etwas ausgeufert (pussiges Wort). Knuddel euch alle feste!
Kuss, Catha (:

I'm the street you walk
The language you talk
I am the city
The skyline is me
And the energy
I am the city
The famous hotels and the cocktail bars
And the funny smells and the turmoil
The cars and the people
The parks and the squares that you see
All the sounds that you hear
And the air that you're breathing is me
Yes I am the city you let me be

3 Kommentare:

- Catha - hat gesagt…

Ich habe den dezenten Hinweis bekommen, dieser Eintrag klänge aggressiv. Ist er aber nicht. Oder meine Definition von "aggressiv" ist eine andere. Zumindest soll er nicht so klingen. Bitte un-aggressiv auffassen. Danke.

frøken resi hat gesagt…

was ist eigentlich ein glottal stop?

- Catha - hat gesagt…

ich werde ihn mal verlinken (hast du nicht gestern irgendwem darüber was erzählt?), danke für den hinweis, hatte ich irgendwie nicht überlegt. ist im prinzip das, was du jeweils vor den zwei schwas sagst, wenn du was verneinst.