Die erste Woche Uni ist vorbei und spannende Entdeckungen blieben nicht aus. Ich hatte ja am Anfang geschrieben, dass das Gebäude hässlich ist, aber das stimmt tatsächlich nur für außen. Drinnen ist es wirklich schön, und ich bin jedesmal an ein großes Einkaufszentrum erinnert, mit langen, breiten Gängen und kleinen Läden an den Seiten. Ok, hier sind es halt Unterrichtsräume und Auditorien, aber wir haben auch einen Buchladen, ein Café, einen Kiosk, eine Mensa (gestern erst entdeckt, aber wir haben sie), und und und, alles mit drin. Und wir haben ein tooolles Glasdach, so dass man den ganzen Tag den Himmel sehen kann, voll schön. Überall ist es hell und freundlich und wirklich gemütlich; nix kalte, leere Flure.
Vor allem hat man alles unter einem Dach und somit für münsteraner Verhältnisse nur kurze Wege zwischen den Instituten und Räumen. Ich finde, es ist fast ein bisschen wie wohnen; man geht morgens hin, die Tür geht hinter einem zu (ja, tut sie; alles automatische Türen wie im Kaufhaus) und dann bleibt man da den Tag über halt. Man trinkt Kaffee, trifft Leute, erledigt seinen Krams und wird nicht angeraucht, denn das darf man natürlich nur draußen (wie übrigens auch in allen Kneipen und Gaststätten hier). Aber das ist noch nicht alles...
- Alle Dozenten werden mit Vornamen angeredet und gedutzt. Nirgendwo steht auch geschrieben, wer nun Dr., Prof. oder was auch immer ist. Wenn man nach dem Unterricht noch was mit ihm/ihr besprechen will, geht man hin, gibt ihm/ihr die Hand und stellt sich auch mit Vornamen vor.
- Es existieren weder Anmeldelisten für Kurse, die in der ersten Sitzung überprüft werden, noch Anwesenheitslisten. Es existieren auch quasi keine überfüllten Kurse oder Räume (ein Paradies für den münsteraner Anglisten/Germanisten, sag ich da nur!).
NB: Es existieren scheinbar sogar manche Räume gar nicht erst, wie ich am Mittwoch auf der vergeblichen Suche nach dem für meine Vorlesung feststellen durfte.
- Vorlesungen dauern zwar in den meisten Fällen auch 90 Minuten, diese aber nie am Stück. Norwegische Studenten BRAUCHEN eben eine 15-minütige Pause. Eigenartigerweise beginnt der Unterricht wirklich immer auf die Sekunde pünktlich (komische Sache).
- Alkohol ist entgegen aller Vorurteile nicht das, was man sich hier am wenigsten leisten kann, sondern es sind Bücher. Weil man für alles und jeden Kleinkram 100 Bücher und Kompendien/Reader braucht, muss ich meinen Studenplan nicht vorrangig nach Zeit, sondern nach Budget er- und umstellen. Da die norwegischen Studenten aber, soweit ich weiß, staatlich ordentlich bezuschusst werden, macht denen das gar nichts aus und sie kaufen stets fröhlich rund um sich zu.
- Kaffee ist dafür günstig; vorausgesetzt man bringt seine eigene NTNU-Thermotasse mit, bekommt man den frisch gekocht und ziemlich stark für nur sieben Kronen, nicht mal einen Euro!
- Die trøndersche Studentin als Solche hat entweder einen großen Busen, einen dicken Bauch oder einfach beides, trägt Leggins bzw. Röhrenjeans und darüber eine Art Kleid (?) oder sehr langes Shirt, dazu Ballerinas und einen stylischen Stufenhaarschnitt mit Pony. Der trøndersche Student sieht relativ gelack-afft gut aus und ist sich dessen bewusst. Alle sind, find ich, recht freundlich.
- In der Uni gibt es jeden Tag irgendwo Musik, meist live. Entweder es spielt jemand im Café Gitarre oder aus irgend einem Lautsprecher klingt was durch die Gänge. Super schön, wenn man einfach mal zwischen den Vorlesungen durch die Gebäude schlendert und so nette Sachen hört (:
- Noch mehr - dafür aber weniger angenehm - als Musik gibt es Flyer. Man kann im Prinzip keine zwei Schritte auf dem Gang tun, ohne ein Dutzend Flyer in die Hand gedückt zu bekommen, und das nervt tierisch.
- Die Toiletten sind schockierend sauber und es ist immer Klopapier da. Auch das erfreut und erstaunt natürlich den Münsteraner!
- Man sitzt stets auf guten, bequemen, GEPOLSTERTEN Stühlen. Auch in den großen Auditorien. Überall herrscht irgendwie Kuschelatmosphere, weil scheinbar entgegen aller Hinweisschilder überall Kaffeetrinken erlaubt ist, sogar in der Bibliothek glaub ich, und das auch alle tun. Ziemlich cool.
Ich möchte mal behaupten, dass ich mich hier die nächsten Monate sehr wohlfühlen werde. Die ersten Wochen sind übrigens noch so "Orientierungszeit", in der man alle Kurse einfach ausprobieren kann und dann später entscheidet, was man gern machen will. So handhabe ich das auch; in Münster nicht vorstellbar. Dann steht hoffentlich bald mein nicht so richtig voller und seit heute auch noch von Literaturwissenschaft befreiter (allerliebste Grüße an Damian und René!) Stundenplan - was im Grunde genommen bislang daran gescheitert ist, dass es keine sooo spannenden Deutsch- und Englisch-Vorlesungen gibt und das, was ich als "Ersatz" nehmen will, meist zeitgleich mit Nordistik (eigentlich: mit Runologie; ALLES liegt zeitgleich mit Runologie!) liegt. Ja, und dann gehts ab!
Morgen gehts auf hyttetur, jippie!
Freitag, 24. August 2007
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